Die Wolfskinder Ueberschrift
VONKICA oder Weihnachten Teil II

Gleich vorab, die letzte Hexenverbrennung war im Jahre 1782, so fühle ich mich doch recht sicher in meiner Haut, wenn ich Ihnen nun von VONKICA'S Entwicklung berichte.

Vonkica kam am 21. Dezember gegen Abend bei mir an. Ich stellte mich darauf ein, Wochen bis Monate eine kleine ängstliche Hündin in meinem Badezimmer vorzufinden. Vonkica hätte sich die ersten zwei Tage am liebsten in Luft aufgelöst, wenn ich ihren 1-Meter-Sicherheitsabstand unterschritt. Mir fiel jedoch schon am ersten Morgen auf, daß die Hündin den Blickkontakt mit mir suchte und auch hielt, sie sah mir in die Augen bzw. in die Seele. Ihr Blick war von Anfang anders. Ich dachte ich wüßte doch so einiges über ängstliche Hunde, Vonkicas Blickkontakt jedoch machte mich unsicher. Sie schaffte es tatsächlich, daß ich ihrem Blick auswich, weil ich auf keinen Fall einen Fehler machen wollte. Da saß ein kleiner Hund in meinem Badezimmer und starrte mir in die Augen und ich war peinlich verlegen. Hmm, was sollte das werden dachte ich, ist das ein Fixieren vor dem Angriff ?? Nein, ich nahm keinerlei Aggression oder Bedrohung war. Ihr Verhalten änderte sich oft im Bruchteil einer Sekunde von Aufmerksamkeit in Angst bis Panik. Anfangs reichte eine kleine Bewegung von mir, sie in den Modus Flucht zu versetzen, genauso schnell war sie jedoch auch wieder im Modus Aufmerksamkeit. Sie reagierte aber fast nur mit den Augen, körperlich blieb sie relativ unbeweglich, nur der Kopf bewegte sich. Berührte ich sie zuckte ihr ganzer Körper und sie wandte den Kopf ab, unmittelbar nachdem ich meine Hand zurück nahm sah sie mich aber wieder aufmerksam an. Auch dieses Verhalten wunderte mich, denn eine so schnelle Verhaltensänderung kannte ich bei Angsthunden bisher nicht.

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Ich nehme Hunde wie Vonkica auf, weil ich glaube ihnen helfen zu können. Ich arbeite viel mit Bachblüten, homöopatischer Arznei und so manch einer Kleinigkeit aus meiner Hexenküche. So hat Vonkica auch einiges an Schockmitteln bekommen. Auch beschwichtigte ich sie in ihrer Sprache wie Lippenlecken usw. sobald ich das Zimmer betrat. Ich achtete hochkonzentriert auf meine Körperhaltung, um ihre nur keine falschen Signale zu senden. Am zweiten Tag hier bei mir, gegen Nachmittag, hörte ich sie weinen. Ok dachte ich, sie zeigt eine Reaktion. In der folgenden Nacht fing sie an zu bellen, ich hörte sie zur Tür tippeln, wenn ich jedoch ins Zimmer kam lag sie schwups, wieder in ihrem Korb. So vergingen die nächsten Tage, sie bellte sehr viel, zerstörte mein Badezimmer wie und wo sie nur konnte.

Vonkica nahm schon ab dem zweiten Tag Leckerli aus meiner Hand, und ich stellte ihr immer wieder einen Hund vor. Die Hunde benahmen sich alle tadellos, sie hielten ohne mein Zutun den von Vonkica gewünschten Abstand. Sogar mein Schnauzer benahm sich, als würde er sie schon ewig kennen, er machte keinen Mucks und das ist alles andere als normal bei ihm. Vor den Katzen hatte Vonkica deutlich größere Angst, aber auch in deren Anwesenheit blieb sie in ihrem Korb und nahm nur mit den Augen das Geschehen war. Vonkica bellte auch tagsüber viel, es war ein Bellen mit Protest in der Tonlage, so empfand ich es jedenfalls. Sobald ich zu ihr kam saß sie im Korb und sah mich wieder mit diesem erwartungsvollen, ängstlichen aber auch interessierten Blick an.

Mehrmals täglich "flog ich auf meinem Besen um's Haus", um für die Maus ein paar Zuckerkügelchen, Tropfen usw. zu finden, denn ich hatte das Gefühl, sie war nicht nur in einem Schockzustand, sondern hatte auch ganz argen Kummer.

Bald schon ließ ich die Tür einfach offen, immer wieder besuchte sie ein Hund, Vonkica blieb aber im Bad, sie bellte aber anfangs weniger.

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Die nächsten Nächte wurden kurz und unruhig, Vonkica bellte viel, ein Bellen welches klang nach Protest sowie auch nach Einsamkeit, ein Bellen ähnlich eines Kettenhundes in der Nacht. Ich fing an zu überlegen, ob ich sie bereits nach den wenigen Tagen ins Wohnzimmer bringen sollte. Meine Bedenken waren groß, was passiert wenn sie panisch wird, wie reagieren dann meine Hunde, würde ich dann nicht das bisher gewonnene Vertrauen für lange Zeit verlieren ???

Für Samstag den 27. Dezember kündigte sich Besuch von Sylvia Ra�loff an, sie wollte uns, meine Hunde und mich wieder einmal sehen, aber auch Vonkica einen Besuch abstatten. So verschob ich mein Vorhaben, Vonkica umzuquartieren auf Sonntag, und auch Sylvias Meinung wollte ich erst abwarten. Sylvia hatte auch einiges aus ihrer Hexenküche dabei, sie flog auf ihrem Besen einige Male über's Haus und ich vertraute ihr Vonkica an. Nach getaner Arbeit sprachen wir noch lange über meinen Gast im Badezimmer. Wir waren uns beide einig, Vonkica sollte am nächsten Tag ins Wohnzimmer ziehen. Nachdem Sylvia sich verabschiedet hatte ging ich zu Vonkica. Ich fand eine kleine, dicke, entspannte Hündin vor, welche mich ansah und fragte: "und, was kommt jetzt ? " Die Kamera in Griffweite hielt ich diesen Augenblick erstmal fest.

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Da lag also 6 Tage nach ihrer Ankunft die kleine Vonkica mit einem entspannten Gesichtsausdruck in ihrem Korb in meinem Badezimmer, sie kommunizierte auf ihre Art mit mir, ihren Körper wollte sie aber noch immer nicht in Bewegung bringen während meiner Anwesenheit. Obwohl es Abend war beschloß ich sie jetzt gleich umzusetzen. Ich hatte bei dem Gedanken, die Hündin eine Etage tiefer zu plazieren ein flaues Gefühl im Magen. Einfach auf den Arm nehmen, nein das würde sie nicht aushalten, da war die Angst noch viel zu groß. So wollte ich sie irgendwie in eine Transportbox locken. Ja irgendwie...locken ? Nein, sie ist ja eine schlaue Maus, den Gefallen tat sie mir nicht, so mußte ich leider etwas nachhelfen. Gesagt getan, ich schleppte die wirklich nicht gerade leichte kleine Hündin samt Box ins Wohnzimmer. Sie kam aus der Box und flüchtete sofort in eine Katzenhöhle zwischen Schrank und Eckbank, und da saß sie nun, wollte sich in Luft auflösen, der Blick nach oben in der Hoffnung auf Hilfe.

Mir war gar nicht wohl, hatte ich einen Fehler gemacht ? Die Situation mußten wir nun aushalten, die Hunde benahmen sich vorbildlich und ganz entspannt.

Ich machte es mir vor dem Kamin mit ein paar Hunden bequem und schlief bald ein. Irgendwann nach Mitternacht erwachte ich, Vonkica lag nun in der Katzenhöhle und sah mich an. Ich ging zu Bett und war auf den nächsten Morgen gespannt. Sonntag, der 28. Dezember 2008, ich kam gegen 8 Uhr ins Wohnzimmer und Vonkica stand das erstemal in meiner Anwesenheit, sie stand vor der Katzenhöhle - wie festgenagelt. Ok dachte ich, warten wir ab ob sie ein Frühstück nimmt. Gegen 9 Uhr machte ich mich an die Arbeit die Hundenäpfe zu füllen, während dieser Zeit sind meine Hunde immer wie kleine Kinder, sie spielen, sie küssen sich und sagen sich gegenseitig wie sehr sie sich mögen und wie toll das Leben doch ist. Ja und was dann passierte ....sehen Sie selbst.
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Frühstück gab es erst gegen Mittag, ich konnte und wollte diesen Augenblick - welcher nun Alltag ist - nicht stören, vergoß ein paar Eimer Tränen und konnte irgendwie alles nicht so recht glauben. 7 Tage war sie nun hier, in den ganzen Jahren durfte ich so eine Wandlung in so extrem kurzer Zeit noch nie erleben. Vonkica ist nach wie vor mit allen Hunden, ob groß oder klein, jung oder alt, ranghoch oder rangniedrig, sie ist mit allen gut Freund und meine Hunde mögen sie sehr. Vonkica hat immer gute Laune und rennt nun auch im Garten, sie spielt, sie ist vergnügt und es so schön sie hier zu haben. Auch mit den Katzen hat sie nun ein gutes Verhältnis, wenn auch noch vorsichtig. Sie kommt um sich Leckerchen zu holen, ab und zu kann ich sie streicheln, und Zug um Zug wird sie auch ein Geschirr und eine Leine kennen lernen und irgendwann wird sie mir sagen: "hallo, ich möchte mit zum Spaziergang".

Ich habe schon viele Angsthunde bei mir aufgenommen, der "Fall" Vonkica läßt mir bewußt werden, ich habe für diese Hunde zu wenig getan. Vonkica hat mich wegen ihrem extremen Zustand andere Wege gehen lassen, Wege welche Menschen oft belächeln. Ich brauche keine wissenschaftlichen Studien, ich sehe die Hündin vor mir. Und ich sehe mich am Anfang eines neuen Weges.

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